Sunday, January 31, 2010

Die Technik des Pistolenschiessens

Endgültige richtige Fassung.

English version you can find here.

Urheber: Anatoli Poddubny <dubich@yahoo.com>

Eine einleitende Bemerkung:

Alle, die meinen letzten Artikel gelesen haben, werden in diesem Artikel einige Wiederholungen finden. Der Grund ist, dass der erwähnte Artikel mit der klaren Zielsetzung geschrieben wurde, den nach meinem Verständnis wichtigsten Moment beim Pistolenschießen zu definieren, d.h. das Ende des Prozesses des Zielens und des Abdrückens. Nach der Veröffentlichung des Artikels sah ich, dass der Inhalt nur Fachleuten verständlich sein mochte. Auch erhielt ich Briefe von meinen Trainerkollegen und von Schützen mit Fragen über andere Aspekte des Schießens. So entschloss ich mich, diese Fortsetzung zu schreiben, um alle Elemente der Schießtechnik für Pistole zu diskutieren.

I. Einleitung

Ich begann, diesen Artikel als ein Tagebuch zu schreiben. Fast mein ganzes aktives Leben im Sport war ich gleichzeitig Schütze und Trainer, ein Trainer, der auch Schütze war. Meine Erfahrung als Trainer kann sehr unterschiedlich zu der von anderen Trainern sein, da ich in sechs unterschiedlichen Ländern, jedes mit sehr unterschiedlichem Entwicklungsstand beim Schießen und mit eindeutigen Mentalitätsunterschieden in Kultur und im Schießen, gearbeitet habe. Das Hauptziel dieses Artikels ist es, Trainer und Schützen anzuregen, neue Methoden und Mittel für das Training zu suchen. Diese Suche ist unentbehrlich, weil die modernsten Methoden mit der Zeit ihre Wirksamkeit verlieren und geändert werden müssen. Ein Vorgang an einem Schießseminar des Instituts für höhere Leibeserziehung in Moskau diente mir als Anreiz, meine Notizen zu systematisieren. Ich war dort mit anderen Trainern der Nationalmannschaft der Sowjetunion als Gast der Schule für Trainer.

Die Lehrer am Schießseminar unter der Leitung von Yefim Haidurov, Designer der berühmten Pistole TOZ-35, hatten sehr intensiv an der Publikation des Schießhandbuches für die in dieser Disziplin spezialisierten Studenten gearbeitet. Einmal konnten wir an einer Diskussion unter den Verfechtern bestimmter Formeln für Körperhaltung teilnehmen. Was ist daran so kompliziert? Alle Beteiligten verteidigten ihre Meinungen mit einem Eifer, der in eine produktivere Richtung hätte gelenkt werden können. Auf der Höhe der Argumente, warf Gueorguiy Krylov, der normalerweise ruhige Trainer der Gewehrmannschaft Frauen und ein Chemieingenieur, folgende Bemerkung ein: «Kollegen, bitte entschuldigt mich. Hören Sie sorgfältig zu: der freiwillige Ausgang durch eine Öffnung der Produkte der Trockenumwandlung des Holzes unter dem Einfluss von extrem hohen Temperaturen, normalerweise von einer viereckigen Form... für die, die nicht verstanden haben, wiederhole ich: Rauch zieht durch den Kamin ab». Die Diskussion war sofort zu Ende. Aber die Autoren des Handbuches (Herausgeber Dr. Arkadiy Korh) scheinen diese Lektion nicht sehr gut gelernt zu haben. Als das Handbuch in den Verkauf kam, habe ich eins gekauft und konnte mich davon überzeugen, dass die Lektion Krylovs vergeblich geblieben war, das Handbuch war zu «wissenschaftlich» ausgefallen.

Dieses Handbuch, wie auch andere Bücher zum Pistolenschießen, fordert, dass «die Körperhaltung energieeffizient in körperlicher und psychischer Hinsicht sein muss.», Warum bespricht man nicht die Notwendigkeit für Energieeffizienz beim Pistolenschießen? Um Energieaufwand zu minimieren, müssen nur jene Muskeln und Sinnesorgane eingesetzt werden, die direkt in den Schießprozess involviert sind. Zu diesem Zeitpunkt müssen die Muskeln eine «ausgeglichene» Haltung einnehmen mit gleichen Winkeln der Stabilität, das heißt, die Projektion des Schwerpunktes des Systems «Schütze -Pistole» muss die Mitte der Stützoberfläche kreuzen. In der Praxis zeigen uns die besten Schützen, dass mit ausgeglichener Haltung (Abbildungen 1 und 1a) viele «10-ner» produziert werden können, aber auch Schüsse, die zu lang sind. Die «verstärkte» Haltung (Abbildungen 2 und 2a) stellt sicher, dass es keine langen Schüsse gibt, was das Vertrauen des Schützen auf den wahrscheinlichen Ab-schluss erhöht.

Bild 1

Bild 1a
Bild 2

Bild 2a

Ein typisches Beispiel der verstärkten Haltung war der Olympiasieger in Mexiko in Freier Pistole Grigoriy Kosyh. Er konnte bis zu 200 Schüsse ohne eine einzige 8 schießen, so dass er wichtige Wettkämpfe mit nur wenigen Zehnern gewann. Kosyh trainierte in der verstärkten Haltung mit einer steifen Stabilisierung des Handgelenkes und schoss während einer ganzen Saison mit einer modernisierten halbautomatischen Margolin Pistole, die einer Freien Pistole ähnelt. Das Sportkomitee der Sowjetunion gab ihm eine spezielle Dispens, die ihm erlaubte, an der nationalen Meisterschaft mit dieser Pistole teilzunehmen. Fast während seines ganzen Trainings schoss er, ohne seine Hand zu senken, und trainierte sein Handgelenk, mit viel Energieaufwand zu arbeiten. Das Resultat seiner Arbeit ist weithin bekannt: Olympisches Gold. Die Notwendigkeit, mit Energie zu haushalten wird in allen Büchern über das Schießen aufgeführt, aber lassen Sie uns sehen, was wirklich in der Praxis passiert.

Bezüglich Pistole oder Luftpistole kann man diese Empfehlungen anzweifeln. Die besten Schützen (einige noch aktiv) wie Makhmud Umarov, Anton Jasinsky, Alexei Gustchin, Grigori Kosych, Vladimir Stolipin, Jozef Zapedzki, Ragnar Skanaker, Alexsander Melentiev, Sergei Pyzhianov und die Repräsentanten der jüngeren Generation wie Roberto Di Donna, Igor Basinski, Mikhail Nestruev, Joao Costa, Tanyu Kiriakov, Franck Dumoulin und andere weniger berühmte, können sich nicht rühmen, sehr sparsam zu sein. Meiner Meinung nach sind die typischen Beispiele für einen sparsamen Stil Marlen Papava, Harald Vollmar, Uwe Potteck, Boris Kokorev, Yifu Wang und Vladimir Goncharov. Ihre Leistungen sind weithin bekannt, aber in der Weltelite sind die meisten Schützen nicht sparsam.

Der Ausdruck «verstärkte Haltung» wurde von der Mannschaft der Sowjetunion vor ungefähr 25 Jahren verwendet, aber welche Art von Haushaltung kann bei der aktiven Arbeit angewendet werden? Wie kann man Perfektion erreichen, indem man Energie spart? Erfolg beim Schießen wird nicht durch Muskelstärke, sondern durch organisierte mentale Arbeit erreicht. Vergleiche zwischen Schützen, Weltmeistern und Olympiasiegern zeigen, dass ihre körperlichen Merkmale sehr unterschiedlich sind. Sie sind groß und stark wie Ragnar Skanaker, Harald Stenvaag, Igor Basinski, Miroslava Sagun und Jasna Šekaric, aber auch klein und zierlich wie Vladimir Goncharov, Sergei Alifirenko, Svetlana Smirnova, Renata Mauer-Rózanska und Artem Kadzhibe-kov. Was ihnen gemeinsam sein kann, sind ihre mentalen Fähigkeiten. Deshalb muss man an der Fähigkeit arbeiten, seine Nervosität zu beherrschen. Nur intensive mentale Arbeit kann in unserem Unterbewusstsein die Idee eines sicheren Schusses formen, die als «automatischer Pilot» in jeder Stresssituation dient. Die besten Resultate werden fast immer unter Umständen erreicht, in denen der Athlet schießt, ohne zu denken, wenn er von seinem Unterbewusstsein aus arbeitet und nicht durch Stress beeinflusst wird.

Sogar ein sehr erfahrener Schütze ist nicht immer in der Lage, sich während des ganzen Schusses zu konzentrieren. Warum also sollten wir von Anfängern mit einem sehr starken «Fernsehsyndrom», das es ihnen ermöglicht, Soda zu trinken, Rap-Musik zu hören, mit Freunden zu plaudern und dabei so halbwegs das Fernsehen im Auge zu halten, erwarten, dass sie sich konzentrieren können? Den Bildschirm ohne geistige Anstrengung zu beobachten führt zu geringer Aufmerksamkeitsspanne und Mangel an Konzentration. Junge Schützen, die gerne Bücher lesen, haben praktisch niemals dieses Problem. Während des intensiven Trainings wird das Fernsehsyndrom immer schwächer, vorausgesetzt, das Training zielt darauf ab, den mentalen Prozess während des Schusses zu organisieren.

Ich glaube, man sollte besser bei der Meinung bleiben, dass die Haltung eine Zehn garantieren muss und dass es während des Prozesses nicht so wichtig ist, Energie zu sparen. Ich schließe diese lange Einleitung, indem ich einige Ideen zum Halten der Pistole erörtere. Ich mag die Idee Yefim Haidurovs (er ist nicht nur ein sehr guter Pistolen-Designer sondern auch ein sehr guter Schütze und ein Medaillengewinner bei Weltmeisterschaften). Yefim verglich das Halten der Pistole mit dem Halten eines Eies mit einer sehr zerbrechlichen Schale -man kann es weder zu fest halten, noch die Finger zu sehr entspannen. Ich bevorzuge das verstärkte Halten, bei dem der kleine Finger größere Kraft als der Ringfinger und der wiederum mehr als der mittlere Finger anwendet. Der Daumen drückt nur in der Mitte auf den Griff, während die Fingerspitzen überhaupt keinen Druck auf die Oberfläche der Pistole ausüben. Ich werde hier an einen Vorfall bei den Meisterschaft der Sowjetunion 1961 erinnert. Ich trainierte mit dem russischen olympischen Meister in Freier Pistole, Alexei Gustchin. Viele Leute kamen, um ihn zu beglückwünschen. Ein junger Mann gratulierte ihm und fragte: «Alexei Petrovich, wie halten Sie den Griff? Sehr fest?» Gustchin antwortete: «Selbstverständlich, sehr fest.» Fast sofort kam ein anderer und fragte: «Wie halten Sie den Griff, lose?» Gustchin antwortete: «Selbstverständlich, lose.» Ich fragte ihn: «Alexei, wen von beiden hast du angelogen?» Alexei sagte: «Keinen. Die Kraft beim Halten hängt von den Bedingungen und von denen der Konkurrenz ab. Manchmal halte ich sie fest und manchmal lose, aber das ist nicht wichtig. Hast Du gehört, wie sie gefragt haben? Die Jungen suchten nach Bestätigung ihrer eigenen Theorien und ich gab ihnen, was sie suchten. Hätte ich angefangen, ihnen das Problem kurz vor dem Wettkamp zu erklären, wäre nichts Gutes herausgekommen.» Was war Akexei Gustchin doch für ein großer Schütze und ein intelligenter Mann.

Nach dieser langen Einleitung, lassen Sie uns nun über einige der Hauptelemente der technischen Vorbereitung von Pistoleschützen sprechen.

II. Technische Vorbereitung

1. Haltung

Die Evolution im Sportschießen und die Forschungen der Trainer haben sich geändert und auch weiterhin werden unter anderem Schießtechnik und Haltung geändert. Diesem Problem wurde meiner Meinung nach zu viel Aufmerksamkeit gewidmet. Die Meinungen sind manchmal ziemlich unterschiedlich und sogar widersprüchlich.

Momentan wird eine integrale Haltung verwendet - wir kennen sie als aktive Haltung (Abbildungen 2 und 2a). Schützen und Trainer sind überzeugt, dass gute Stabilität in jeder Haltung möglich ist und dass der Schütze, mit oder ohne Hilfe seines Trainers, seine eigene Variation in der Haltung findet. Die Erfahrung des Trainers ist in diesem Fall sehr nützlich, um dem Schützen zu helfen, seine anatomischen Merkmale leistungsfähiger einzusetzen und zu vermeiden, die Haltung der Meister blind zu kopieren. Nach dem Sieg von Moris Minder bei der Weltmeisterschaft 1978 mit einem neuen Weltrekord hatte er eine Menge Nachahmer seiner Haltung, aber niemand erreichte gute Resultate. Minder hielt seine Hand fast um 90° nach rechts. Einige Schützen haben gute Resultate mit unterschiedlicher Haltung erreicht und das beste Beispiel ist die Entwicklung der Haltung beim zweifachen Weltmeister Vladimir Stolipin, der 20 Jahre zum Team der Sowjetunion gehörte. Am Anfang schoss er mit seiner Seite in Richtung zum Ziel und der oberen Teil seines Körpers nach links gelehnt. Am Ende seiner Sportkarriere verwendete er die frontale Haltung, bei der er seinen Brustkorb ohne irgendeine Neigung auf das Ziel richtete. Der olympische Meister von Mexiko Grigori Kosych pflegte in fast derselben Haltung wie Stolipins erster Haltung zu schießen. Ich glaube, diese zwei Beispiele genügen, um zu verstehen, dass Haltung nur Angelegenheit des Einzelnen sein kann. Normalerweise wird in Büchern zum Schießsport empfohlen, dass die Linie der Schultern über die Linie der Füße um 10-15° nach rechts hinausgehen muss, aber Sergei Pyzhianov verschiebt seine Schultern nach links und er ist ein mehrfacher Weltrekordhalter und jetziger Halter der Luftpistolenrekords.

Wir können feststellen, dass das Modell für Haltung nicht notwendig ist, um gute Resultate zu erreichen. Das Wichtigste ist die Fähigkeit des Schützen, gute Stabilität in der gewählten Haltung mit optimaler Muskelanspannung zu erreichen. Optimal in diesem Fall bedeutet nicht sparsam im Sinne von Energieverbrauch. Muskelspannkraft muss Stabilität garantieren. Für die meisten Schützen kann dieses Problem nur mit erheblicher Muskelanspannung gelöst werden.

Für die feste Stabilität der Knöchel, der Beine und der Taille, anders ausgedrückt, um eine Grundlage für Stabilität zu schaffen, kann ich eine sehr einfache aber wirkungsvolle Methode empfehlen: wenn man beginnt, die Pistole anzuheben, sollte man sich leicht auf den Zehen erheben und sich dann ohne sich zurückzulehnen wieder zurücksenken. Auf diese Weise schafft man die notwendige Muskelanspannung in den Füßen, in Beinen und in Taille. Es ist besser, die Füße parallel zu halten.

Zusammenfassung: Die Haltung muss maximale Stabilität auf der Basis von fester Stabilisierung der Füße, der Beine und der Taille garantieren, aber jeder Schütze muss selbst entscheiden, wie viel Energie er verbrauchen möchte, um diese Stabilität zu erreichen.

2. Die Reihenfolge der Bewegungsabläufe während eines Schusses

Die Erfahrung, die ich während vieler Jahre in meiner Arbeit mit den besten Schützen der Sowjetunion und anderer Ländern gesammelt habe, führten mich zu gewissen Schlussfolgerungen über die Notwendigkeit, Änderungen in der Reihenfolge der Bewegungsabläufe, die während eines Schusses durchgeführt werden, zu definieren; diese Änderungen sind vom praktischen Standpunkt aus gesehen real, eine Beschreibung habe ich aber nur teilweise in einem Buch «Sportpistoleschießen» der deutschen Trainerin Elfe Stauch (Eigenverlag Elfe Stauch, Hans-Braun-Str. 57, 85375 Neufahrn, Deutschland, 1997,1. Ausgabe, 4000) gefunden.

Ich bin fest davon überzeugt, dass der Schießprozess, der einige Sekunden anfängt, bevor der Arm gehoben wird und endet, nachdem der Arm gesenkt wird, in zwei Teile geteilt werden muss, die miteinander verbunden und gleich wichtig sind. Der erste Teil, die Vorbereitung, besteht aus den Gedanken, die man sich über die kommenden Bewegungsabläufe macht, der Überprüfung der Haltung und der Entscheidung zu schießen. Bevor die Pistole angehoben wird, läuft vor dem geistigen Auge des Schützen ein Film über seine künftigen Bewegungsabläufe ab und erst danach wird gehandelt. Wenn der Schütze die Pistole ein wenig über das Ziel anhebt, hakt er innerlich die wichtigsten Punkte der Haltung ab: Knöchel, Knie, Taille, Schultern und Handgelenk. Dann ist der erste Teil des Schusses erledigt: die Vorbereitung. Es ist sehr wichtig, die Vorbereitungsphase von der Durchführung zu trennen - dem Schuss. Nachdem man z. B. denkt «ich bin bereit», kann man einatmen, während man die Pistole anhebt und nachdem man denkt «los» senkt man den Arm und atmet gleichzeitig aus. Dies ist der erste «Wegweiser» und er signalisiert den Anfang des Schusses.

Im Vorbereitungsstadium ist es sehr wichtig, keine Angst davor zu haben, Zeit beim Kontrollieren der Haltung zu vergeuden. Nach dem «ich bin bereit, los!» senkt der Schütze mit einer entscheidenden und ruhigen Bewegung die Pistole in Richtung zum Ziel und beginnt gleichzeitig, den Zeigefinger zu bewegen. Alle diese Tätigkeiten müssen mit peripherer Sicht kontrolliert werden und erst nach dem Beginn der Bewegung des Zeigefingers sollte man seine Augen mit maximaler Aufmerksamkeit auf das Ziel richten. Während der Bewegung des Zeigefingers muss man mit maximaler Aufmerksamkeit den Zielmechanismus kontrollieren. Zielen und das Betätigen des Abzuges, Stabilität und Bewegung sind Antagonisten. Unser Ziel ist es, nach einem Kompromiss zu suchen. Der Beginn der Bewegung des Zeigefingers während dieses empfindlichen Zielprozesses stört fast immer die Stabilität. Die Zeit innerhalb der Schießzone ist größer, die Bandbreite der Bewegungen, die man ins Auge fasst, ist größer und wir fallen in einen Teufelskreis, an dessen Ende ein schlechter Schuss möglich sein kann. Wenn wir aber zielen, wenn der Zeigefinger bereits aktiviert ist, ist alles anders und bedeutet, nur keine Angst davor zu haben, am Anfang etwas von der Präzision zu verlieren. Die Zeit für den Schuss hängt nicht vom Zielen sondern von der Schnelligkeit der Bewegung des Zeigefingers ab. Zusammenfassung: Das Vorbereitungsstadium des Schusses ist ein autonomes Element, das nicht weniger wichtig ist als der Schuss selbst; das Vorbereitungsstadium muss markiert werden und man macht das besser mit einer natürlichen Bewegung. Man muss auch das Ende des Schusses markieren.

3. Das Halten der Pistole während des Schusses

Das Konzept des Haltens verliert bei Freier Pistole seine traditionelle Bedeutung, weil der anatomische Griff eine dauerhafte Positionierung der Hand garantiert. Während des Schießprozesses, egal mit welcher Pistole, ist der Grad der Muskelanspannung der Hand nicht wichtig, sondern eher die Kontinuität der Spannkraft des Muskels. Die feste Stabilisierung des Handgelenkes ohne übermäßige Anspannung der Fingermuskel ist eine stabile Basis für den delikaten Aufbau eines Schusses. Wenn die Basis stabil ist, schießt der Schütze mit mehr Vertrauen, ohne Furcht, dass einer der Muskeln zum Zeitpunkt des Schusses versagt. Die autonome Stabilisierung des Handgelenkes ist ein sehr schwieriger Prozess, der Spezialausbildung verlangt. Leider berücksichtigen viele Trainer dies nicht und wenn junge Schützen mit dem Training anfangen, legen sie nicht viel Gewicht auf diese Aufgabe.

Nach einiger Zeit erreicht ein junger und begabter Schütze ein bestimmtes Niveau und es schleichen sich Fehler in seine Resultate ein. Normalerweise geschieht dies in einer kritischen Phase wie bei der Einladung, bei der nationalen Mannschaft mitzumachen. Diese Änderung in der Qualität des Schießens ist eine zusätzliche Belastung für den Anfänger, die schwerer sein kann als er bereit ist zu tragen (das ist ein breites Arbeitsfeld für Trainer und Psychologen, die zu diesem Zeitpunkt zusammen arbeiten sollten!). Wo er früher natürlich schoss, muss er jetzt zeigen, dass er zum Schießen auf einem hohen Leistungsniveau fähig ist. Seine Furcht vor Versagen, seine Ergeiz und der Druck zu gewinnen, verursachen einen Stresszustand und der sensibelste Teil kann versagen. Häufig ist dieses Teil die Stabilisierung des Handgelenkes. Ich kann elf Schützen nennen, die europäische Juniormeister wurden, es aber nie schafften, Eliteschützen zu werden. Ich sage nicht, dass der Grund für ihre Unfähigkeit bei der Verfolgung ihrer Karriere in der fehlerhafte Stabilisierung des Handgelenkes lag, da lagen offensichtlich auch andere Gründe vor, aber in vielen Fällen ist dieses Detail entscheidend. Ich bin sicher, dass vier von diesen elf Schützen, mit denen ich an Wettkämpfen teilnahm und die ich in den Teams der Sowjetunion und der Ukraine ausbildete, nicht ein höheres Leistungsniveau erreicht haben, da ihre grundlegende Vorbereitung von Anfang an mangelhaft war. Deshalb möchte ich allen Schützen und Trainern empfehlen, dass sie diesen Teil der Technik bewerten und ihm die Aufmerksamkeit schenken, die es im Training verdient. Einige Ratschläge zum Training werden später in dem Kapitel «Schießen in einer sitzenden Stellung mit Unterstützung» aufgeführt. Das grundlegende Problem bei der Stabilisierung des Handgelenkes ist, dass die Muskeln des Handgelenkes nicht durch das Zentralnervensystem, sondern durch das periphere Nervensystem gesteuert werden. Ein unerfahrener Schütze kann nicht sein Handgelenk stabilisieren, ohne seine Finger zu bewegen. Da die lokale Stabilisierung im täglichen Leben nicht geübt wird, sind die Nervenbahnen zwischen dem Handgelenk und dem Zentralnervensystem sehr schwach. Nur spezifisches langfristiges Training kann helfen, diese Bahnen zu stärken. Das Resultat dieses Trainings ist die Fähigkeit, die Pistole auf das Ziel gerichtet zu halten und den Zeigefinger unabhängig davon zu bewegen.

Was benötigen wir sonst noch für einen sicheren Schuss? Der Schütze muss wissen, wie er vor dem Schuss Muskelspannkraft erreicht, die mit der Muskelspannkraft nach dem Schuss gleich ist. Im Folgenden einige Ausbildungsmethoden:

  • Doppelte Schüsse mit einer halbautomatischen Pistole: nach dem ersten Schuss muss der Schütze seine neue Muskelspannkraft stabilisieren, dies in seinem Gedächtnis «festhalten» und darauf basierend seinen zweiten Schuss machen. Diese Methode wurde vor 35 Jahren vom Victor I. Mikhailov beim trainieren von Grigori Kosych verwendet, aber sie wurde nie publiziert. Ich selber habe diese Methode mit großem Erfolg mehr als 30 Jahre verwendet.
  • Doppelschüsse mit Luft- und Freier Pistole: den ersten Schuss stellt man sich nur mental vor, um die Muskelspannkraft nach dem Schuss zu haben und dann erst wird wirklich geschossen.
  • 3 Serienschießen in 20 Sekunden Intervallen mit der Standardpistole: der Erfolg dieser Art des Schießens hängt primär vom ersten Schuss ab, da der Rest automatisch folgt. Dieser automatische Prozess ist das Resultat des Entstehens von Muskelspannkraft beim ersten Schuss. Zwanzig Sekunden für 5 Schüsse ist die ideale Zeit für diese Art des Trainings, da die Intervalle zwischen den Schüssen ausreicht, Eile zu vermeiden, aber zu kurz, um zu intensiv zu zielen, das heißt, die Bedingungen sind optimal für das Entstehen eines «automatischen Pilotensystems». Zweifellos ist diese Übung der Schlüssel für alle Pistolenschützen.

Alle meine Studenten können Ihnen bestätigen, dass ich trotz meines Alters ohne jegliches Training zwei oder drei Serien (mehr kann ich wegen Mangels an Ausdauer nicht) besser als sie schießen kann. Der Grund dafür ist, dass mein rechtes Handgelenk nach allen diesen Jahren fest geblieben ist. Meine besten Resultate bei meinen letzten Wettkämpfen waren: Luftpistole 578, Standardpistole 568, Schnellfeuerpistole 584 und ich war damals über 60 Jahr alt.

Zusammenfassung: Der wichtigste Teil der Schießtechnik bei Pistole ist die feste Stabilisierung des Handgelenkes. Sobald diese Technik erarbeitet worden ist, hat der Schütze eine Menge Probleme weniger.

4. Zielen und Betätigung des Abzuges

In vielen Büchern findet man falsche Ideen zur Pistolenschießtechnik. Bücher erklären uns, dass wir nach dem Beginn der langsamen Betätigung des Abzuges zielen müssen, aber diese zwei Elemente des abschließenden Teils des Schusses müssen wirklich gleichzeitig durchgeführt werden. Ich bin fest davon überzeugt, dass es ein Fehler ist, wenn man über einen exakten Schuss beim Pistoleschießen spricht, weü diese Art des Schusses immer einen Kompromiss beinhaltet. Der Kompromiss besteht aus der Notwendigkeit, einen sicheren Schuss zu schießen, aber es ist unmöglich, die Waffe perfekt still zu halten, weil ein Schütze nicht ein Schraubstock ist und die Waffe sich immer bewegt. Was ist wichtiger, die Präzision des Zielens oder die feste Stabilisierung der Pistole auf das Ziel? Ist die Stabilisierung des Handgelenkes wichtig oder nicht? Im täglichen Leben sind die wichtigsten Informationen oft visuell. Dies trifft auch auf das Schießen zu, aber wir müssen entscheiden, ob perfektes Zielen für das Pistolenschießen unerlässlich ist und ob wir es benützen sollen, falls wir es jemals erreichen können.

Unser bestes Zusatzgerät ist das elektronische Trainingssystem SCATT, entworfen in der Sowjetunion und z. Zt. auch da hergestellt. Während ich die SCATT-Akten erforschte, stieß ich auf dokumentierte Bestätigung vieler meiner Vermutungen. Die Stabilität garantiert z.B. alleine keine guten Resultate. Vladimir Goncharov kann die Pistole in der Zone 10 für 5-6 Sekunden halten; Mikhail Nestruev hat nur sehr kurz bis zur einer Sekunde der Gelegenheit, aber er zieht vollen Nutzen aus dieser Zeit. Dank seiner Fähigkeit, «den idealen Moment» zu nutzen, wurde er zum bester Schützen des Jahres 2001 gewählt.

SCATT zeigt auch, dass jeder Schütze seinen eigenen Bewegungsbogen (AM) in der letzten Sekunde vor dem Schuss im Kreis 9,5 hat (die meisten haben ein kleineres AM mit höherer Qualität) Dies heißt, dass, wenn es zu der Zeit des Schusses keine Bewegung gibt, die nicht zu AM gehören, der Schuss innerhalb dieses Kreises bleibt. Aus persönlicher Erfahrung weiß ich, dass Stabilität innerhalb des Kreises 9,5 nicht ein Merkmal nur von Eliteschützen ist, sondern auch von den mittelmäßigen Schützen (der Mehrheit). Alle Schützen sind mit dem Phänomen vertraut, wenn die Schüsse fast automatisch kommen - man zielt auf das Ziel und der Finger bewegt sich mühelos - man arbeitet automatisch mit dem Unterbewusstsein.

Lasst uns ein Experiment versuchen, in dem wir versuchen, unterbewusste und be-wusste Abläufe zu trennen. Der Schütze, der die bewusste Rolle übernimmt, muss alle seine Bewegungsabläufe so durchführen, wie er es normalerweise tut, und der Trainer, der die Rolle des Unterbewusstsein spielt, aktiviert den Abzug, ohne auf das Ziel zu sehen. Es würde bequemer sein, dies mit der Hilfe eines einfachen Mechanismus zu tun (Abbildung Dis. 1) oder die Methode, dargestellt im Bild 3, zu benutzen. In 100% der Fälle sind die unterbewussten Schüsse besser als die üblichen Schüsse und damit ist bewiesen, dass Zielen offenbar beim Schießprozess eine Sekundärrolle spielt. Das Wichtigste ist die Uribeweg-lichkeit der Waffe in dem Moment, wenn der Schuss entsteht, unabhängig von der Präzision des Schießens. Unsere Stabilität ist immer besser, als wir sie uns vorstellen. Zusammenfassend kann man sagen, wenn der Schütze zielt und seinen Zeigefinger bewegt, ohne sich um das Zielen Sorgen zu machen, dann wird der Schuss innerhalb seines AM sein, d.h. der Schütze verwirklicht sein Potential.

Dis. 1
Bild 3

Ich führte dieses Experiment zum ersten Mal vor 40 Jahren mit dem Gewehr durch. Ich trainierte zusammen mit Vladimir Lukian-chuk, einem perfekten Gewehrschützen. Plötzlich erklärte er mir, er habe beim Schießen im Stehen sein Selbstvertrauen verloren. Ich stand an seiner linken Seite und als ich sah, dass sein Gewehr mehr oder weniger stabil war, betätigte ich den Abzug mit meiner Pistole. Das Resultat der ersten 10 Schüssen war überraschend - 95 Punkte! Wir schössen mehrere Serien mit ähnlichen Resultaten. Eine Woche später stellte Vladimir einen neuen Rekord im 3x20 Freien Gewehr 300 m auf. Das Resultat von 590 Punkten (200+193+197) ist auch heute noch gut. Dieser Rekord wurde nie gebrochen und man hörte einfach auf, in diesem Beweib zu kämpfen.

Es ist möglich, dieses Experiment ohne irgendeinen Mechanismus mit Luft- oder Sportpistole (Standard) zu versuchen. Der Trainer greift die Hand des Schützen mit seiner eigenen Hand, setzt seinen Zeigefinger auf den Zeigefinger des Schützen und bewegt nach der Stabilisierung des Arms ruhig aber bestimmt seinen Zeigefinder, bis der Schuss fällt (Abbildung 3). Alle diejenigen, die noch nicht überzeugt sind, können wieder die SCATT-Resultate zu Rate ziehen. In der Diagrammzeitverschiebung können wir sehen, dass das Resultat besser sein könnte, wenn der Schütze 0,1-0,3 Sekunden früher schießen würde. Aber das ist nicht völlig zutreffend, weil der Schütze, wenn er früher schießt, den gleichen Fehler macht. Dieser Fehler liegt an einem Verlust der Stabilität im letzten Moment des Schusses. Die Schussfolgerung ist dieselbe: Unbeweglichkeit beim Schuss ist die Voraussetzung für einen sicheren Schuss.

Der Schießprozess bei Pistole hängt nicht von der Art ab, die ist immer gleich. Auf jeden Fall muss man das Ziel im Auge haltend ausrichten und sich nicht mit der Körperhaltung in Bezug auf die Scheibe kümmern. Ein sehr alter Sprichwort unter russischen Schützen ist korrekt: «Ruhiges Ziehen, kein Atmen, das Ziel im Auge halten». Dieses Sprichwort zeigt die klare Aufeinanderfolge unserer Bewegungsabläufe: erst ziehen, dann das Ziel.

Ich weiß, dass es schwierig ist, nur das Ziel im Auge zu halten und sich von der Scheibe zu distanzieren, aber dies ist grundlegend. Um auf das Ziel «ohne Scheibe» zu zielen, kann man von einem Mechanismus Gebrauch machen, der vom Schützen und Doktor der ukrainischen Mannschaft Sergei Kolesnik erfunden wurde (Abbildung 4). Ein quadratisches Stück transparenter Plastik mit einem Kreis, der das Bild der Scheibe verdeckt, wird die Rückseite der Kimme gelegt. Wenn der Schütze zielt, kann er die Scheibe nicht sehen. Dies hilft zum Abbau des psychologischen Drucks.

Bild 4

Alle Schützen sind mit der Situation vertraut, in der der Finger «blockiert» wird. Die freiwillige Aktivierung des Fingers kann die Stabilität ändern und dies geschieht normalerweise dann, wenn der Schütze es sich nicht leisten kann, Fehler zu machen. Aus Angst vor einem schlechten Schuss konzentriert man sich zu früh auf das Zielen, was wiederum dazu führt, dass die Bewegung des Zeigefingers blockiert wird. Wir müssen in Trockenschüssen die Kontrolle der Aktivierung des Fingers vor dem Zielen üben, um die Koordination unserer Bewegungen zurück zu gewinnen. Unter diesen Umständen ist das wichtigste Element das Vertrauen des Schützen in die Stabilität seiner Körperhaltung und in seine Geisteshaltung. Dieser Teil des Schusses ist so psychologisch, dass er nicht lediglich als technisches Element behandelt werden sollte. Die Sicherheit und das Vertrauen des Schützen in seine eigenen Fähigkeiten sind wichtiger als seine technische Vorbereitung. Jedermann kann die Schießtechnik erlernen, aber sie unter Stressbedingungen anzuwenden, können nur die, die sich nicht so sehr um Resultate sorgen, die Vertrauen in ihrer Technik haben und die sich nur darum kümmern, diese Technik bei jedem Schuss anzuwenden. An diesem Punkt möchte ich die Anekdote von Biels Bohr wiederholen, weil es dieses Problem erklärt. Der Nobelpreisträger schlenderte eines Tages mit einigen Studenten auf dem Lande. Ein junger Mann warf einen Stein und traf einen Pfosten über 40 Meter Abstand. Niels Bohr als das Genie, das er war, zog daraus eine allgemeine Lehre und sagte: «Auf einen entfernten Gegenstand zu zielen und ihn zu treffen - das ist selbstverständlich unmöglich. Wenn wir aber einen Stein in die richtige Richtung werfen und uns die absurde Möglichkeit, das Objekt zu treffen, vorstellen, dann macht dies den Erfolg wahrscheinlicher. In diesem Fall ist die Sicherheit, dass es geschehen kann, wichtiger als Training und Wille.» Wir sollten dieses Denken in jeder Schießsportanlage übernehmen - psychologische Vorbereitung in einigen Worten zusammengefasst.

Zusammenfassung: Ich kann ohne Furcht davor, als altmodisch angesehen zu werden, feststellen, dass die Voraussetzung für einen vollkommenen Schuss die Unbeweglichkeit der Waffe im letzten Augenblick der Abzugstätigkeit ist, unabhängig von der Haltung zum Ziel innerhalb des Bewegungsbogens.

5. Die Bewegungsabläufe des Schützen nach dem Schuss

Nach dem Schuss muss der Schütze nicht nur seine Haltung, sondern auch seinen internen Zustand für 3 bis 5 Sekunden beibehalten -die Muskelspannkraft muss beibehalten, der Zeigefinger muss angespannt bleiben und das Ziel muss anvisiert bleiben. Sinnlos ist es, an diesem Punkt zu denken: «Beim nächsten Schuss versuche ich das Ziel so anzuvisieren, dass ...» Dann atmet man ein, hebt den Arm und senkt ihn beim Ausatmen. Dies ist unser zweiter «Wegweiser», der das Ende des Schusses anzeigt.

Wenn er die Pistole senkt, entspannt der Schütze seine Muskeln und analysiert den Schuss, den er gemacht hat. Wenn der reale Aufschlag nicht seiner Theorie entspricht, aber der Schütze sicher ist, dass er das Ziel richtig im Blick hatte, dann muss er die notwendigen Korrekturen machen. Wenn die Einschläge der Idee entsprechen, dann ist es besser, schnell zu schießen (Ein Schuss die Minute oder schneller). Bei einem schlechten Schuss ist es wichtig, eine Pause zu machen - nicht nach Fehlem suchen, sondern das gewohnte Muster des Schusses zurückgewinnen, indem man einmal oder zweimal trocken feuert.

Ein Beispiel, wie man diese Regel unterschätzen kann, passierte bei den Olympischen Spielen in Sydney 2000. Beim Schießen in Freier Pistole gehörte nach vier Serien Sergio Sánchez aus Guatemala, ein begabter und erfahrener Schütze, der bereits zweimal in Finalen bei Weltmeisterschaften geschossen hatte, zu den Führern. Plötzlich schoss er in der 5. Serie eine 8, was nicht zu seiner Idee passte. Er war verärgert und schoss sofort in unkontrolliertem Ärger den nächsten Schuss, nochmals eine 8, Nur nachdem er noch eine 8 und sogar eine 7 geschossen hatte, konnte er aufhören. Aber die Punkte, die er verloren hatte, konnten nicht mehr aufgeholt werden und mit ihnen die Hoffnung, zur Endrunde vorzurücken, wofür vier 9-ner genügt hätten (nur innerhalb des AM schießen!).

Zusammenfassung: Ein Schütze muss seine Haltung vor dem Schuss zurückgewinnen, sie einige Sekunden beibehalten, sich den nächsten Schuss vorstellen und den Arm zu einem speziellen «Wegweiser» senken. Wenn seine Idee dem Aufschlag entspricht, ist es besser, schnell weiter zu schießen. Wenn der Aufschlag nicht unserer Idee entspricht, lohnt es sich nicht, nach dem Fehler zu suchen, man muss etwas trocken feuern, um das Schema des Schusses zurück zu gewinnen.

III. Spezialausbildung

In diesem Abschnitt besprechen wir nichttraditionelle Ausbildungsmethoden. Wir haben bereits eine von ihnen erwähnt (doppeltes Schießen). Alle diese Methoden sind sehr individuell und erfordern einen enthusiastischen Trainer und viel Energie, aber ich kann Ihnen versichern, dass es sich lohnt.

a) «Doppelschießen»

Diese Ausbildungsmethode ist wirkungsvoller für Anfänger, aber sie kann auch für erfahrene Schützen nützlich sein, besonders wenn sie angefangen haben, etwas Selbstvertrauen zu verlieren. Juniorenschützen erhalten die Chance, das Gefühl eines guten Schusses auszukosten, um Selbstvertrauen in ihren Fähigkeiten zu gewinnen. Die meisten jungen Schützen gehen zur Schießanlage, um zu lernen, wie man eine 10 schießt, nicht einen technisch vollkommenen Schuss. Das «Doppel» hilft ohne Zweifel einem jungen Schützen, Enttäuschung zu überwinden, die nach den ersten schlechten Erfahrungen normal ist. Der Trainer, der entschlossen ist, die Kontaktausbildungsmethoden zu verwenden, muss viel Geduld und Antrieb haben, weil diese Methoden sehr erschöpfen. Der Trainer steht auf der linken Seite des Schützen und mit seiner rechten Hand hält die Hand des Schützen, die die Pistole hält. Der Daumen berührt den Griff, die restlichen Finger kontaktieren das Handgelenk und der Hand des Schützen (Abbildungen 5 und 6). Der Trainer bleibt passiv und bietet nur Unterstützung an. Dieser Kontakt ist empfindlich, erhöht die Stabilität des Schützen und ermöglicht dem Trainer, dem Schützen reale Informationen über die Stabilisierung und die Funktion des Handgelenkes des Studenten zu geben. Wenn das Problem des Schützen das «Blockieren» des Zeigefingers ist, kann der Trainer eine andere Kontaktausbildungsmethode verwenden. In diesem «Doppel» steht der Trainer auf der rechten Seite des Schützen und setzt seinen Daumen ein wenig vor die Artikulation des Handgelenkes und die übrigen Finger auf die Finger des Kursteilnehmers (Abbildung 3). Wenn er beobachtet, dass die Bewegungen ruhig sind, bewegt er seinen Zeigefinger zusammen mit dem des Schützen, nur besorgt um die Stabilität des Handgelenkes.

Bild 5

Bild 6

Junge Schützen denken gerne, dass der Grund für ihre schlechten Resultate ein Mangel an Stabilität ist. Dies trifft bis zu einem bestimmten Punkt zu, aber die Stabilität ist sogar bei Anfängern normalerweise ausreichend, den schwarzen Kreis zu treffen. Der Hauptgrund für lange Schüsse der jungen Schützen (manchmal auch erfahrener Schützen) ist ihre mangelnde Fähigkeit, die Muskelanspannung des Handgelenkes während des Schusses beizubehalten. Dem Schützen diese Stabilität zu demonstrieren, ist nicht die wichtigste Sache, der Trainer kann Folgendes tun: zuerst muss man eine Reihe von den Schüssen mit schlechter Stabilität machen. Vorsichtig! Man muss erst trainieren, um einen negativen Effekt zu vermeiden. Dann schießt man eine Serie unter Benutzung des Mechanismus Dis. 1, die Technik, die wir in Abbildung 3 sehen. Die erste Methode ist «reiner», aber die letzte kann jederzeit durchgeführt werden.

b) Sitzend Schießen mit Unterstützung

Diese Ausbildungsmethode ist für jeden Trainer nützlich, von Anfängern bis zu Meistern. Die Unterstützung kann aus Schwamm oder einem Stück Holz gemacht sein (Abbildungen 7 und 8). Der Gebrauch der Unterstützung für Anfänger ist einfach und benötigt keine großen Erklärungen. Wie wir wissen beginnt das Lernen, mit einem Gewehr zu schießen, fast immer mit dem Schießen mit einer Unterstützung und diese Phase dauert einige Monate an, nur, um zum Schießen mit einem Bügel weiterzugehen. Wir wissen auch, dass das Halten des Gewehrs mit einem Bügel einfacher ist als das Halten einer Pistole mit der Hand. Für viele Anfänger scheinen die Schwierigkeiten des Haltens einer Pistole, des Stabilisierens des Handgelenkes und des Aktivierens des Abzuges, alles mit der gleichen Hand, groß zu sein und führen zu einem Vertrauensverlust in die eigenen Fähigkeiten, so dass viele das Schießen ganz aufgeben. Der Gebrauch einer Unterstützung kann wirklich das Interesse am Sport bewahren.

Bild 7

Bild 8

Das Verfahren ist wie folgt: der Schütze berührt den schräg gelegenen Teil der Unterstützung nur mit seinen Fingern und nicht mit der Pistole (Abbildung 7). Das reicht zum Stabilisieren der Handhaltung der Pistole, aber gleichzeitig hält die Unterstützung nicht wirklich das Gewicht der Waffe. Beim Schießen im Sitzen muss man die Haltung des Oberkörpers genauso halten wie im Stehen. Die Vorbereitungsphase des Schusses wird durchgeführt, indem man die Pistole ein wenig über der Unterstützung anhebt. Man denkt: «Ich bin bereit. Los!» und senkt die Hand, bis man auf die Unterstützung trifft und dann betätigt man den Auslöser. Das Abdrücken muss mit einer ununterbrochenen und entschlossenen Bewegung durchgeführt werden.

Die weiche Unterstützung lässt nicht zu, dass sich die Armmuskeln entspannen, aber sie schafft fast vollkommene Stabilität, die lange Zeit beibehalten wird.

Der Gebrauch einer Unterstützung kann sehr wirkungsvoll sein, wenn die Fähigkeit trainiert wird, das Handgelenk zu stabilisieren. Der Unterschied zwischen dieser Ausbildungsmethode und der vorhergehenden Methode liegt im Kontaktpunkt der Unterstützung. In diesem Fall berührt der Schütze die Unterstützung mit seinem Unterarm ein wenig unterhalb des Handgelenkes (Abbildung 8). Was ist der Zweck dieser Methode? Wenn wir im Stehen schießen, macht das «Schütze-Waffe» System Pendelbewegungen, jeder Körperteil bewegt sich in Beziehung zu Rest. Während man mit gestütztem Unterarm sitzt, werden die Bewegungen des Armes und des Körpers eliminiert und die Stabilisierung des Handgelenkes beibehalten.

Wenn jemand denken sollte, dass das Schießen mit einer Unterstützung einfach ist, werden ihn die ersten Schüsse eines Besseren belehren. Lasst mich erzählen, wie ein perfekter Schütze Anatoliy Yegrishchin, der z.Zt. der Trainer der russischen Mannschaft ist, seine ersten Schüsse mit einer Unterstützung gemacht hat.

Anfang 1986 im Schießlager der sowjetischen Armee in Lvov, dem Stammsitz für Schießen in der Ukraine, als ich den Schützen in meiner Gruppe die wesentliche Natur der Ausbildung mit einer Unterstützung erklärte, bat ich sie, einen Konsens mit ihren persönlichen Trainern zu erreichen, entweder für oder gegen meine Theorie. Alle zehn Schützen bestätigten die Annahme meines Vorschlages. Am dritten Tag des Trainings kam Yegrishchin und als er seine Kollegen im Sitzen schießen sah, fragte mich Siemionych (wie ihn seine Freunde nannten): « Was tun Sie da?» Als er meine Erklärungen hörte, sagte er: «Jetzt werde ich 600 schießen.» Stellt euch vor, wie er sich fühlte, als sein erster Schuss eine hohe 6 und der zweite eine niedrige 6 war. Siemionych erlernte diese Ausbildungsmethode sehr schnell, schneller als irgendeiner der jungen Schützen, aber er war in seiner aktiven Zeit einer der besten Schützen in der Welt mit 581 Punkten in Freier Pistole.

Militärische Schützen verwendeten diese Methode 1986, 1987 und 1988. Der erste Wettkampf fand nach nur zwei Monaten Training statt und wir gewannen sieben nationale Wettkämpfe hintereinander in Freier Pistole und in Luftpistole und lagen vor die Mannschaft «Dynamo», die das Militär in den sieben Jahren zuvor geschlagen hatte.

Ich glaube nicht, dass dieser Erfolg nur am Training lag, aber sein positiver Effekt scheint sicher zu sein. Das Haupthindernis in der Verbreitung dieser Ausbildungsmethode ist der konservative Geist, wenn nicht sogar Faulheit der Trainer und der Schützen sowie einen Mangel an Vertrauen in der Wirksamkeit von etwas Neuem. Der positive Effekt zeigt sich nicht sofort und er ist bei jedem Schützen unterschiedlich. Einige, besonders die, die dem idealen Augenblick nachjagen, können sogar vorübergehend schlechtere Resultate erzielen. Die, die diese Methode hartnäckig anwenden und an dieser Übung 40 bis 60 Minuten am Tag arbeiten, werden nie die Zeit bedauern, die sie in dieser Arbeit investieren. Es ist notwendig, etwas in Bezug auf diese Art des Trainings zu erwähnen: man muss dieses Training wie jedes andere auch beginnen, indem man 10 bis 15 Minuten aufwärmt. Die Höchstzahl der Schüsse für diese Übung ist 50, eine Arbeit, die nur ein gut ausgebildeter Schütze aushält. Am Ende des Trainings im Sitzen muss man 10 Minuten ausruhen und wieder im Stehen aufwärmen, um die Muskeln der unteren Körperhälfte vorzubereiten. Ohne diese Aufwärmung können lange Schüsse auftreten und dies könnte zu einer negativen Reaktion bei der Ausbildung mit einer Unterstützung führen.

Mit meiner Arbeit sage ich nicht, dass ich die alleinige Wahrheit predige. Ich weiß, dass es viele unterschiedliche Meinungen gibt. Das Ziel dieses Artikels ist einfach: das Denken der Trainer zu anzuspornen und meinen Kollegen zu helfen, die Wirksamkeit ihrer Arbeit zu verbessern, über die der Dichter Mi-khail Nozhkin einmal offen sagte:

Diese Arbeit ist nicht für jeden,
es gibt Tag oder Nacht keinen Frieden.
Das tägliche Brot des Trainers ist sehr hart,
das Leben des Trainers ist kurz.

0 comments:

Post a Comment